Zwei GrünBau Projekte sind Teil einer neuen Ausstellung im LWL Museum Zeche Zollern

In Zusam­men­ar­beit mit dem LWL Muse­um Zeche Zol­lern in Dort­mund-Böving­hau­sen konn­ten zwei Grün­Bau Pro­jek­te ihre Krea­ti­vi­tät ent­fal­ten. In der Aus­stel­lung „Erich Gri­sar – Mit Kame­ra und Schreib­ma­schi­ne durch Euro­pa. 1928–1932“ sind die Näh­werk­statt „Amen Juvlia Mun­dial“ und die Mäd­chen­grup­pe aus der Nord­stra­ße 23 Teil der soge­nann­ten Partizipationsfläche.

Die Näh­werk­statt hat Foto­gra­fien von Erich Gri­sar mit Stof­fen neu­in­ter­pre­tiert und gibt ihnen dank des genäh­ten Col­la­gen­stils eine neue Betrach­tungs­ebe­ne. Die Mäd­chen­grup­pe hat ihre eige­ne Migra­ti­ons­ge­schich­te durch Euro­pa mit­tels einer Raum­in­stal­la­ti­on kon­tex­tua­li­siert und die Euro­pa­rei­se Grisars auf­ge­grif­fen. Es ent­stan­den sehens­wer­te Stü­cke die her­vor­ra­gend zum inter­kul­tu­rel­len Stil der Aus­stel­lung passen.

Sowohl zur Aus­stel­lungs­er­öff­nung als auch zur Regel­aus­stel­lung seid ihr herz­lich ein­ge­la­den. Nähe­re Infor­ma­tio­nen könnt ihr dem ange­häng­ten Fly­er ent­neh­men und dem­nächst auf der LWL Muse­um Zeche Zol­lern Inter­net­sei­te finden.

Die fei­er­li­che Eröff­nung fin­det am 4. März 2022 um 18 Uhr statt. Um Anmel­dung bis zum 22. Febru­ar 2022 an zeche-zollern@lwl.org wird gebeten.

Foto: Erich Gri­sar – Stadt­ar­chiv Dortmund

Bericht des Zentralrats der Sinti und Roma erschienen

An die­ser Stel­le ver­öf­fent­li­chen wir einen Arti­kel aus der Zeit­schrift des Zen­tral­rats der Sin­ti und Roma. Der Arti­kel ist für Grün­Bau inso­fern von Inter­es­se, als das die Hälf­te des Preis­gel­des für die Inklu­si­on von Roma an Grün­Bau ging. Die Aus­ga­be der Newess für das Jahr 2021 ist jüngst erschie­nen. Die Rech­te für Bild und Text lie­gen beim Zentralrat.

 

Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel erhielt den Europäischen Bürgerrechtspreis der Sinti und Roma 2021

Die Kanz­le­rin wur­de auf­grund ihres beson­de­ren Ein­sat­zes für die Min­der­heit der Sin­ti und Roma gewürdigt

Von Tho­mas Bau­mann, Poli­ti­scher Referent

 

Am 17. August 2021 war es so weit: Bun­des­kanz­le­rin Dr. Ange­la Mer­kel erhielt im Bun­des­kanz­ler­amt in Ber­lin aus den Hän­den des Zen­tral­rats­vor­sit­zen­den Roma­ni Rose die Skulp­tur des Euro­päi­schen Bür­ger­rechts­prei­ses der Sin­ti und Roma. Die „ech­te“ Preis­ver­lei­hung, die am 28. April 2021 aus dem Rosen­gar­ten in Mann­heim im Fern­se­hen und im Inter­net über­tra­gen wur­de, muss­te coro­nabe­dingt ohne Publi­kum und ohne die Preis­trä­ge­rin statt­fin­den. Ange­la Mer­kel war bei der wür­de­vol­len Fest­ver­an­stal­tung – die musi­ka­li­sche Beglei­tung kam von der Sopra­nis­tin und Bun­des­sie­ge­rin von „Jugend musi­ziert“ Scar­lett Rani Adler und ihrem Pia­nis­ten Aure­lia­no Zat­to­ni live zuge­schal­tet und konn­te die Zere­mo­nie am Bild­schirm ver­fol­gen. Die Bun­des­kanz­le­rin ist die sieb­te Preis­trä­ge­rin, die den mit 15 000 € dotier­ten Preis erhal­ten hat.

Es war immer ein Anlie­gen der Bun­des­kanz­le­rin, auch die 600­jährige Geschich­te unse­rer Min­der­heit in Deutsch­land in das his­to­ri­sche Geden­ken mit auf­zu­neh­men“, wür­dig­te Roma­ni Rose Ange­la Mer­kels Enga­ge­ment für die Min­der­heit der deut­schen Sin­ti und Roma. „2012 hat sie mit mir das Denk­mal für die im Natio­nal­so­zia­lis­mus ermordeten

hin­aus auch deut­lich gemacht, dass die Bekämp­fung des Anti­zi­ga­nis­mus für uns eine gemein­sa­me Auf­ga­be ist. Ihre Regie­rung hat 2019 eine Kom­mis­si­on beru­fen, die sich mit dem Anti­zi­ga­nis­mus aus­ein­an­der­setzt und der Bun­des­re­gie­rung Emp­feh­lun­gen gibt, um die­sen Anti­zi­ga­nis­mus – der für vie­le Sin­ti und Roma die Ursa­che ist für Pogro­me, für Über­grif­fe, für Ras­sis­mus, der uns in der Geschich­te aus­grenzt – ent­ge­gen­zu­wir­ken“, so der Zen­tral­rats­vor­sit­zen­de weiter.

Durch die Zere­mo­nie lei­te­te Ange­li­na Kapp­ler, die Deut­sche Wein­kö­ni­gin 2019/20. Die ange­hen­de Win­ze­rin und stu­dier­te Ernäh­rungs­wis­sen­schaft­le­rin ist selbst Ange­hö­ri­ge der Min­der­heit und enga­giert sich im Stu­die­ren­den­ver­band der Sin­ti und Roma. In der von ihr mode­rier­ten Gesprächs­run­de zu Beginn der Ver­an­stal­tung hob der Preisstif­ter Man­fred Lau­ten­schlä­ger neben Ange­la Mer­kels Wir­ken für die Min­der­heit der Sin­ti und Roma auch ihr Enga­ge­ment für ein eini­ges Euro­pa her­vor: „Deutsch­land hat nach den Ver­bre­chen der Natio­nal­so­zia­lis­ten eine beson­de­re Ver­ant­wor­tung aus der Geschich­te, auch gegen­über die­ser Min­der­heit. Es hat daher die Pflicht, sei­nen Ein­fluss gel­tend zu machen, wenn Men­schen dis­kri­mi­niert und ras­sis­tisch aus­ge­grenzt wer­den, wie dies zum Bei­spiel in den Län­dern Südost­ und Mit­tel­eu­ro­pas der Fall ist. Die Bun­des­kanz­le­rin wird auf­grund ihres beson­de­ren Ein­sat­zes für die Min­der­heit der Sin­ti und Roma, für die Men­schen­rech­te und die Einig­keit der euro­päi­schen Wer­te­ge­mein­schaft ausgezeichnet.“

Die Lau­da­tio auf die Bun­des­kanz­le­rin hielt der Preis­trä­ger des Jah­res 2019, der ehe­ma­li­ge Staats­prä­si­dent der Slo­wa­ki­schen Repu­blik, Andrej Kis­ka. Er beton­te Ange­la Mer­kels Ent­schlos­sen­heit und Taten­drang bei ihren Bemü­hun­gen, der deut­schen Gesell­schaft die Erin­ne­rung an die tra­gi­sche Ver­gan­gen­heit zu ver­mit­teln und sich für eine bes­se­re Zukunft der Roma ein­zu­set­zen: „Und das nicht nur in Ihrem Hei­mat­land, denn wie Sie zu Recht sagen, ist es sowohl eine deut­sche als auch eine euro­päi­sche Aufgabe.

Die Kanz­le­rin, die, wie sie beton­te, von der Aus­zeich­nung mit dem Euro­päi­schen Bür­ger­rechts­preis der Sin­ti und Roma per­sön­lich sehr berührt war, for­der­te in ihrer Dankes­ rede erneut ein ent­schie­de­nes Ein­tre­ten gegen jede Form von Anti­zi­ga­nis­mus: „Der Euro­päi­sche Bür­ger­rechts­preis der Sin­ti und Roma ist weit mehr als eine per­sön­li­che Wür­di­gung. Der Preis ist mit einer kla­ren Bot­schaft ver­bun­den. Wir alle sind dazu auf­ge­ru­fen, uns für Bür­ger­rech­te und Chan­cen­gleich­heit für Sin­ti und Roma stark zu machen. Wir alle sind gefor­dert, uns gegen jede Form von Anti­zi­ga­nis­mus zu wen­den – hier­zu­lan­de und in ganz Europa.“

 

Die Grün­de für die Ent­schei­dung, die Kanz­le­rin mit dem Preis zu wür­di­gen, sind viel­fäl­tig. Bei­spiels­wei­se war die Über­ga­be des natio­na­len Denk­mals für die im Natio­nal­so­zia­lis­mus ermor­de­ten Sin­ti und Roma im Jahr 2012in Ber­lin in unmit­tel­ba­rer Nähe des Reichs­tags­ge­bäu­des ein wich­ti­ger Mei­len­stein der Bür­ger­rechts­ar­beit des Zen­tral­rats Deut­scher Sin­ti und Roma, der unter der Kanz­ler­schaft und mit per­sön­li­cher Unter­stüt­zung von Ange­la Mer­kel rea­li­siert wer­den konn­te. Damit hat Ange­la Mer­kel ein welt­weit beach­te­tes Zei­chen – ins­be­son­de­re an die Mit­glied­staa­ten der Euro­päi­schen Uni­on – gesetzt, dass auf­grund der Geschich­te der  Anti­zi­ga­nis­mus genau­so geäch­tet wer­den muss wie der Anti­se­mi­tis­mus. Die im Dezem­ber 2018 von Bund und Län­dern unter­zeich­ne­te „Bun­d­-Län­der-­Ver­ein­ba­rung betref­fend den Erhalt der Grä­ber der unter der natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Gewalt­herr­schaft ver­folg­ten Sin­ti und Roma“ kam auch dank ihrer gro­ßen Unter­stüt­zung zustan­de, und es war ihrer Inter­ven­ti­on zu ver­dan­ken, dass die Bun­des­re­gie­rung mit den Län­dern in einen kon­struk­ti­ven Dia­log über eine Rege­lung zum dau­er­haf­ten Erhalt der Grab­stät­ten von Holocaust­ über­le­ben­den getre­ten ist. Beson­ders her­vor­zu­he­ben ist die Beru­fung der unab­hän­gi­gen Exper­ten­kom­mis­si­on Anti­zi­ga­nis­mus durch die Bun­des­re­gie­rung unter ihrer Füh­rung im Jahr 2019, deren Abschluss­be­richt im Som­mer vor­ge­legt wur­de. Die Kom­mis­si­on war ein wei­te­rer Erfolg im Kampf gegen den Anti­zi­ga­nis­mus, der eng mit Ange­la Mer­kels Namen ver­bun­den blei­ben wird.

Das Preis­geld von 15 000 Euro spen­de­te die Bun­des­kanz­le­rin an die Orga­ni­sa­tio­nen Grün­Bau gGmbH und ter­nY­pe – Inter­na­tio­nal Roma Youth Net­work, die sich im In­ und Aus­land für die Rech­te der Sin­ti und Roma ein­set­zen. Das 2010 gegrün­de­te inter­na­tio­na­le Jugend­netz­werk ter­nY­pe will Ver­trau­en und gegen­sei­ti­gen Respekt von jugend­li­chen Roma und Nicht­Roma schaf­fen. Dafür ver­eint ter­nY­pe ver­schie­de­ne Jugend­or­ga­ni­sa­tio­nen aus ganz Euro­pa, um jun­ge Men­schen zur akti­ven Teil­ha­be an der Zivil­ge­sell­schaft zu ermu­ti­gen. Die Grün­Bau gGmbH setzt sich für die sozia­le Stadt­er­neue­rung in der Dort­mun­der Nord­ stadt ein. An der viel­fäl­ti­gen nach­bar­schaft­li­chen Hil­fe vor Ort betei­li­gen sich Men­schen aus über 13 Natio­nen, dar­ unter auch vie­le Roma. Dar­aus ent­wi­ckel­te Grün­Bau meh­re­re trans­na­tio­na­le Pro­jek­te, dar­un­ter auch in Plov­div, der zweit­größ­ten Stadt Bul­ga­ri­ens, wo vie­le Roma leben.

 

Live­stream der Preis­ver­lei­hung auf Youtube:

 

Hin­ter­grund­in­fo:

Der Euro­päi­sche Bür­ger­rechts­preis der Sin­ti und Roma

Vor dem Hin­ter­grund der äußerst besorg­nis­er­re­gen­den Men­schen­rechts­si­tua­ti­on der Sin­ti und Roma in vie­len euro­päi­schen Staa­ten – vor allem in Ost­ und Süd­ost­eu­ro­pa – soll der Preis ein Bei­trag zur Wah­rung und Durch­setzung der Bür­ger­rech­te sowie der Chan­cen­gleich­heit für die Ange­hö­ri­gen der Sinti­ und Roma­Minderheiten in ihren jewei­li­gen Hei­mat­län­dern sein. Gestif­tet wur­de der Preis von der Man­fred Lautenschläger­Stiftung, die den Preis gemein­sam mit dem Zen­tral­rat und dem Dokumentations­ und Kul­tur­zen­trum Deut­scher Sin­ti und Roma ver­gibt. Die Preisträger*innen sind der ehe­ma­li­ge pol­ni­sche Außen­mi­nis­ter Wła­dysław Bart­o­szew­ski (2008), die ehe­ma­li­ge Prä­si­den­tin des Euro­päi­schen Par­la­ments Simo­ne Veil (2010), der Men­schen­rechts­kom­mis­sar des Euro­pa­ra­tes Tho­mas Hammar­berg (2012), der Prä­si­dent der Gesell­schaft für bedroh­te Völ­ker Til­man Zülch (2014), die Men­schen­rechts­or­ga­ni­sa­ti­on Amnes­ty Inter­na­tio­nal (2016), der slo­wa­ki­sche Staats­prä­si­dent Andrej Kis­ka (2019) und Bun­des­kanz­le­rin Ange­la Mer­kel (2021). 2019 wur­de dem Direk­tor des Staat­li­chen Muse­ums Auschwitz­ Bir­ken­au Pio­tr Cywińs­ki­ein Son­der­preis ver­lie­hen. https://dokuzentrum.sintiundroma.de/teilhabe/burgerrechtspreis/

 

Bild­be­schrei­bung:

Am 17. August 2021 über­reich­te Roma­ni Rose den Euro­päi­schen Bür­ger­rechts­preis der Sin­ti und Roma an Bun­des­kanz­le­rin Ange­la Mer­kel in Ber­lin. Im Bild: Roma­ni Rose, Vor­sit­zen­der des Zen­tral­rats Deut­scher Sin­ti und Roma, Bun­des­kanz­le­rin Dr. Ange­la Mer­kel und die Vor­sit­zen­de des Lan­des­rats der Roma und Sin­ti Ber­lin-Bran­den­burg, Dot­schy Reinhardt.